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4 Min. Lesezeit

Sequoia zieht sich zurück:

Sequoia schließt das Londoner Büro und sammelt 10 Mrd. Dollar neue Fonds ein

Sequoia Capital macht sein Büro in London dicht und baut um. Gleichzeitig meldet die Firma neue Fonds über 10 Milliarden Dollar. Drei von vier Londoner Partnern bleiben in Europa, Anas Biad geht in die USA.

Hochhäuser der Londoner City bei Sonnenaufgang
Logo Sequoia Capital

Sequoia Capital

Sequoia Capital, eine der ältesten und bekanntesten Venture-Capital-Firmen des Silicon Valley, schließt ihr Büro in London. Venture Capital heißt Wagniskapital: Fonds investieren Geld in junge Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Gleichzeitig meldet Sequoia neue Fonds über 10 Milliarden Dollar, laut EU-Startups rund 8,89 Milliarden Euro. Die Ankündigung trägt den Titel „The Sequoia of Tomorrow“.

Für Gründer in Europa ist das mehr als eine Personalie. Sequoia sieht nach eigener Aussage keinen Bedarf mehr für eine lokale Präsenz. Das Kapital ist da, die Betreuung läuft laut Sequoia künftig aus der Bay Area.

Was Sequoia angekündigt hat

Die Firma begründet den Schritt knapp. Sinngemäß schreibt sie: Das Londoner Büro werde geschlossen, mehrere Mitarbeiter verließen Sequoia. Mit dem Team habe das nichts zu tun, das sei exzellent. Man sehe schlicht keinen Bedarf für eine lokale Präsenz. Europa werde weiter außergewöhnliche Gründer und Unternehmen hervorbringen, und von der Heimatbasis in der Bay Area aus könne man sie erstklassig unterstützen. Auch Sifted meldet die Schließung und den Abbau des Europa-Teams.

Die Schließung ist Teil eines größeren Umbaus. Laut EU-Startups vereinfacht Sequoia die Struktur des Sequoia Capital Fund und stellt das Accelerator-Programm Arc sowie das Scouts-Programm ein. Ein Accelerator ist ein Förderprogramm, das Startups in Gruppen durch eine frühe Phase begleitet. Operatives Team und Investmentteam werden verschlankt. Die Trennung zwischen Early und Growth, also früher und späterer Finanzierungsphase, fällt weg. Beides läuft künftig in einem Team unter einer Mission. Das montägliche Partnermeeting gibt es ebenfalls nicht mehr. Gründerszene fasst das als weniger Meetings und flachere Hierarchie zusammen. Sequoia selbst sagt: „Gründer arbeiten rund um die Uhr, und wir auch. Sie sollen sich nicht an unseren Prozess halten müssen, wir versuchen, uns an ihren zu halten.“

Rund 20 Jahre lang ist Sequoia expandiert und hat mehrere Geschäfte in verschiedenen Regionen aufgebaut. Nach eigener Darstellung konzentriert sich die Firma jetzt wieder auf ihr Kerngeschäft: sehr selektive Investments mit hoher Überzeugung.

Wer in Europa bleibt

Sequoia hatte vier Partner in London. Laut EU-Startups bekamen sie das Angebot, nach San Francisco zu ziehen. Nur Anas Biad hat laut Bericht bestätigt, in die USA zu gehen und bei Sequoia zu bleiben. Luciana Lixandru, Julien Bek und George Robson bleiben in Europa.

Lixandru kam 2020 als erste europäische Partnerin zu Sequoia und hat unter anderem Trade Republic, Pennylane und Rillet unterstützt. Auf LinkedIn schrieb sie sinngemäß, ihre Überzeugung für Europa habe sich nicht bewegt, und sie selbst auch nicht. Europa sei, wo ihre Familie ist und wo sie bauen wolle. Sie bleibt Sequoia-Partnerin und sitzt weiter in den Gremien ihrer Portfoliounternehmen. Zusätzlich will sie privat in die nächste Generation europäischer Gründer investieren.

Bek hat ein Jahrzehnt lang über Sequoia in europäische Gründer investiert, darunter Revolut, Miro, Attio und Dust. Seine Gründer und seine Board-Sitze will er weiter betreuen. In welcher formalen Rolle er und Robson künftig arbeiten, geht aus den vorliegenden Quellen nicht klar hervor.

Was das für Gründer in Europa heißt

Sequoia ist nicht der erste US-Investor, der London verlässt. Andreessen Horowitz (a16z) schloss sein Londoner Büro laut EU-Startups Anfang 2025, weniger als zwei Jahre nach der Eröffnung seines ersten internationalen Standorts in Großbritannien. Zwei Fälle sind noch kein Beweis für einen Trend. Sie zeigen aber, dass große US-Fonds ihre Präsenz in Europa nicht als gesetzt betrachten.

EU-Startups schreibt, europäische Gründer müssten sich auf eine Phase einstellen, in der Sequoia schwer erreichbar sein könnte, vor allem ohne lokalen Partner. Das ist die Einschätzung des Mediums, nicht die von Sequoia. Die Firma sieht es umgekehrt: Sie könne Europa aus der Bay Area gut betreuen. Wie viel des neuen Kapitals nach Europa fließen soll, steht in den vorliegenden Quellen nicht. Offen bleibt auch, was die in Europa gebliebenen Partner als Nächstes tun. Genau darauf schaut laut EU-Startups die Branche.

Was du mitnehmen kannst

Der Fall zeigt, wie viel an einzelnen Personen hängt. Wenn du Geld von einem großen Fonds nimmst oder es vorhast, zählt vor allem: Wer ist dein Ansprechpartner, wo sitzt er, und bleibt er? Der Name des Fonds sagt dazu wenig.

Das heißt nicht, dass US-Geld für Europa verschwindet. Du solltest dich nur nicht darauf verlassen, dass dein Investor um die Ecke sitzt. Wer ein Netzwerk aus mehreren Investoren und Beratern aufbaut, hängt weniger an der Strategie eines einzelnen Fonds.

Quellen

→ Sifted: Sequoia to close London office, cut Europe team

→ EU-Startups: Sequoia Capital raises around €8.9 billion in new funds and closes London office; most local partners opt to stay in Europe

→ Gründerszene: Sequoia schließt Londoner Büro, will weniger Meetings und Hierarchie

Warum das für Gründer wichtig ist

Nach a16z zieht sich mit Sequoia der nächste große US-Fonds aus London zurück, und das, obwohl er gleichzeitig 10 Milliarden Dollar einsammelt. Für europäische Gründer stellt sich damit die Frage, wie nah sie ihren Investoren künftig noch sind.

Das nimmst du mit

1. Prüfe bei jedem Investor, wer dein konkreter Ansprechpartner ist, wo er sitzt und ob er langfristig bleibt. Der Name des Fonds reicht nicht.

2. Verlass dich nicht auf einen einzelnen Geldgeber: Ein Netzwerk aus mehreren Investoren und Beratern macht dich unabhängiger von Strategiewechseln.

3. Frag in Gesprächen mit internationalen Fonds offen nach, wie Betreuung, Board-Arbeit und Folgefinanzierung ohne lokales Büro funktionieren.

Mach’s heute

Schreib für jeden deiner aktuellen oder angepeilten Investoren auf, wer dein Ansprechpartner ist und wo er sitzt. Markiere, wo du nur einen einzigen Kontakt hast, und such dir dort zwei Alternativen.

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