Founder Story
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Funkstille kostet Vertrauen:
Was Gründer aus dem holprigen Start des Rivian-Spinouts Also lernen können
Das E-Bike TM-B ist ausgeliefert – nach Lieferengpässen, Zertifizierungshürden und Funkstille gegenüber den Kunden. Mitgründer Chris Yu räumt offen Fehler ein. Was du daraus für dein eigenes Startup mitnehmen kannst.


Also
Im Oktober 2026 hat Also sein erstes Produkt an Kunden ausgeliefert: das Premium-E-Bike TM-B. Für ein junges Hardware-Startup ist das ein Meilenstein. Der Weg dorthin war aber länger und holpriger als geplant – und Mitgründer Chris Yu spricht ungewöhnlich offen darüber, was dabei schiefgelaufen ist. Genau das macht die Geschichte für Gründer interessant: Nicht die Verzögerung selbst war das größte Problem, sondern der Umgang damit.
Wer hinter Also steckt
Also wurde 2025 aus dem Elektroauto-Hersteller Rivian ausgegliedert. Die Idee: Rivians Erfahrung aus dem Autobau auf kleinere Elektrofahrzeuge übertragen. Den Anfang macht das E-Bike TM-B im oberen Preissegment. Danach sollen kommerzielle Lastenräder folgen, etwa für Lieferdienste wie Amazon, sowie vierrädrige Kleinfahrzeuge. Zusätzlich arbeitet Also mit DoorDash an autonomen Lieferfahrzeugen.
Ein Spinout hat Vor- und Nachteile. Das Team bringt Erfahrung und ein bekanntes Mutterunternehmen mit, das schafft Vertrauen bei Kunden und Partnern. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch: Wer aus einem bekannten Unternehmen kommt, wird an dessen Maßstäben gemessen.
Was schiefging
Laut TechCrunch kamen bei Also mehrere Probleme zusammen. Rohstoffe für Leiterplatten waren knapp, weil KI-Rechenzentren auf dieselben Bauteile zugreifen. Dazu kamen Hürden bei der Zertifizierung durch Behörden. Fast jede Woche tauchte ein neues Problem auf, und der Liefertermin verschob sich immer wieder.
Der eigentliche Fehler lag aber woanders: Im Sommer hat Also kaum mit den Kunden gesprochen, die das E-Bike vorbestellt hatten. Viele wussten nicht, wann sie mit ihrem Rad rechnen können. Yu räumt heute ein, dass es besser gewesen wäre, offen zu sagen, dass das Team an den Problemen arbeitet – auch ohne festen neuen Termin. Und auch nach der Auslieferung läuft nicht alles rund: Erste Kunden berichten von Transportschäden und hohem Akkuverbrauch.
Der Mut zum Nein: das Kenia-Projekt
Spannend ist auch eine zweite Entscheidung. Also hatte ein Pilotprojekt mit elektrischen Zweirädern in Kenia geplant, gefördert von der Shell Foundation. Anfang 2026 ist das Startup ausgestiegen. Die Begründung: volle Konzentration auf das Kerngeschäft, also die E-Bike-Auslieferung und vor allem die autonomen Fahrzeuge, bei denen Yu großen Zeitdruck sieht. Laut Also war bis dahin nur wenig Vorarbeit geleistet worden.
Ein gefördertes Projekt abzusagen fällt schwer – es bringt Geld, Ansehen und eine gute Geschichte. Aber jedes Nebenprojekt kostet Aufmerksamkeit, und die ist in einem jungen Startup das knappste Gut.
Was du daraus mitnehmen kannst
Verzögerungen sind normal, besonders bei Hardware. Lieferketten, Zulieferer, Behörden: Vieles liegt nicht in deiner Hand. Was du aber steuern kannst, ist, wie du darüber sprichst. Kunden, die vorbestellt oder schon bezahlt haben, verzeihen eine Verspätung eher als das Gefühl, im Dunkeln gelassen zu werden. Schweigen wird schnell als Desinteresse gelesen – oder als Warnsignal.
Ein gutes Update braucht kein festes Datum. Es reicht, wenn du sagst, was gerade das Problem ist, was du dagegen tust und wann das nächste Update kommt. Diese Regelmäßigkeit schafft Vertrauen, auch wenn die Nachricht selbst nicht gut ist.
Die zweite Lehre betrifft den Fokus. Viele Gründer sagen zu oft Ja: zu Kooperationen, Förderprogrammen, Pilotkunden außerhalb der Zielgruppe. Also zeigt, dass ein bewusstes Nein manchmal die bessere Entscheidung ist – vor allem, solange das Kernprodukt noch nicht stabil läuft.
Und schließlich: Abhängigkeiten in der Lieferkette betreffen nicht nur Hardware-Startups. Auch wer Software baut, hängt von Cloud-Anbietern, KI-Schnittstellen oder einzelnen Dienstleistern ab. Es lohnt sich, die eigenen Abhängigkeiten zu kennen und für die wichtigsten einen Plan B zu haben.
Warum das für Gründer wichtig ist
Verzögerungen treffen fast jedes Startup. Ob Kunden trotzdem bleiben, entscheidet sich oft daran, wie offen du in dieser Phase kommunizierst – nicht daran, wie schnell du das Problem löst.
Das nimmst du mit
Schweigen kostet mehr Vertrauen als eine schlechte Nachricht.
Ein Update braucht kein neues Datum, nur Ehrlichkeit und einen nächsten Termin.
Nebenprojekte früh stoppen, solange das Kernprodukt wackelt.
Mach’s heute
Schreib deinen wartenden Kunden oder Nutzern heute ein kurzes Update: Was ist das Problem, was tust du dagegen, wann meldest du dich wieder?
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